Ich war ein Windows-95-Rechner mit 100 offenen Fenstern
Warum der Kopf in der Perimenopause plötzlich voll ist, du aber an nichts mehr rankommst – und wie es sich anfühlt, wenn wieder Ordnung einkehrt.
Ich höre es heute noch: dieses Piepen und Knacken des Modems. Genau so hat es sich in meinem Kopf angefühlt, jedes Mal, wenn eine neue Aufgabe auftauchte. Noch bevor überhaupt etwas passiert war, wusste ich schon: Gleich braucht wieder alles meine Aufmerksamkeit.
Zack, zehn Fenster auf
Was gibt es zum Abendessen? Ein Fenster auf. Welches Kind isst was? Was haben wir noch da? Vorher noch den Geschirrspüler ausräumen, aber vorher noch schnell eine Waschmaschine starten. Zack, zehn Fenster auf.
Kind 1 hält mir einen Zettel unter die Nase: Schlittschuhlaufen nächste Woche, drei Euro Kleingeld und eine Unterschrift. Kind 2 fragt, ob ich das Buch schon bestellt habe. Welches Buch? Kind 3 will mir zeigen, was es in Minecraft gebaut hat. Die Katzen jagen sich, eine Vase fällt um, die Deko rutscht hinters Regal. Und dahinter ist alles voller Staub.
Dreißig Fenster. Dann hundert. Alles in meinem Kopf.
Alles war da, aber ich kam nicht mehr ran
Mein Körper war müde, aber vor allem war mein Hirn voll. Jedes Geräusch, jedes Licht, jeder Geruch, jedes Gespräch öffnete ein neues Fenster, und keines ging mehr richtig zu. Ich wusste, dass die Informationen irgendwo da waren. Ich kam nur nicht mehr dran.
Früher konnte ich problemlos Fenster öffnen, schließen, in den Hintergrund schieben. Fünf Aufgaben gleichzeitig? Kein Problem. Und dann, als sich meine Hormone langsam veränderten, ging das plötzlich nicht mehr.
Was bei mir dahintersteckte
Bei mir haben mehrere Dinge zusammengespielt. Die schwankenden Hormone waren nur der Anfang. Dazu kam etwas, das ich erst durch meine Genanalyse verstanden habe: Mein Körper baut bestimmte aktivierende Botenstoffe wie Dopamin und Adrenalin langsamer ab als andere. Das Enzym dafür heißt COMT, und bei mir arbeitet es eher gemächlich.
Für meinen Alltag heißt das: Gedanken, Stress und Reize bleiben länger im System. Die Fenster bleiben offen. Und wenn dann noch die Hormone schwanken, wird aus „viel los“ schnell „alles zu viel“.
Heute bin ich ein neues Smartphone
Heute fühlt es sich anders an. Ich habe immer noch viele Apps offen: Familie, Arbeit, Alltag, Ideen. Aber alles läuft flüssig. Ich komme an die Infos, die ich brauche. Und wenn es zu viel wird, schließe ich bewusst, was gerade nicht nötig ist.
Nicht aus Willenskraft. Und nicht, weil mein Leben ruhiger geworden ist. Sondern weil ich meinen Alltag an meinen Körper angepasst habe: passendes Essen, besserer Schlaf und vor allem Ruhe für mein Nervensystem.
Morgens ist mein Startbildschirm leer. Im Laufe des Tages kommen neue Nachrichten, ich arbeite sie geordnet ab. Abends lösche ich, was ich nicht mehr brauche, und schlafe ein.
Fühlst du dich gerade eher wie ein alter Windows-Rechner oder wie ein Smartphone, das alles ruhig sortiert?
Dieser Artikel beschreibt meine eigenen Erfahrungen und allgemeines Wissen. Er ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.
Erkennst du dich wieder?
In einem kostenlosen Kennenlerngespräch schauen wir 30 Minuten auf deine Situation, und ich sage dir ehrlich, ob ich dir helfen kann. Oder du machst erst mal den Selbsttest.