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Nervensystem & Reize2 Min. Lesezeit

Warum auf einmal jedes Geräusch zu viel ist


Schmatzende Kinder, der Trockner im Bad, das Brummen der Heckenschere: Nicht die Welt ist lauter geworden. Deine Filter sind leiser geworden.

Ich saß am Schreibtisch. Die Nachbarn ließen ihre Hecke schneiden, die ganze Zeit dieses Brummen. Eine Fliege flog immer wieder gegen die Scheibe. Der Laptop brummte lauter und lauter. Es fühlte sich an, als würde jedes Geräusch direkt in meinem Gehirn landen und meinen ganzen Körper unter Stress setzen.

Ich musste raus. In den Park, weg von allem, nur ein paar Vögel hören.

Seit wann schmatzen die Kinder so?

Solche Momente hatte ich ständig. Warum kauen die Kinder plötzlich so laut? „Mama, wir essen wie immer, warum bist du so empfindlich?“ Der Kater putzt sich neben mir, seit wann macht er das so laut? Den Trockner im Bad hörte ich in der Küche lauter, als wenn ich direkt daneben stand.

Früher lief bei uns immer alles gleichzeitig, die Kinder waren laut, und ich konnte mich trotzdem konzentrieren. Jetzt traf mich jedes Geräusch ungefiltert. Nicht lauter, aber näher. Ich konnte nichts mehr überhören, schon gar nicht mehrere Dinge auf einmal.

Nicht die Welt ist lauter geworden. Meine Filter sind leiser geworden.

Ein uraltes System in einer lauten Welt

Diese Empfindlichkeit hatte einmal einen Sinn. Vor ein paar hundert Jahren war es lebenswichtig, dass eine Frau auf jedes kleinste Geräusch reagiert: ein schreiendes Baby, ein Rascheln im Gebüsch, ein fremder Schritt. Der Körper musste in Sekunden bereit sein.

Damals gab es danach aber auch wieder Ruhe. Heute laufen Waschmaschine, Radio, Verkehr, Handy, Kinder und Nachbarn den ganzen Tag. Unser altes System ruft ständig „Alarm!“, und es kommt nie der Moment, in dem die Gefahr vorbei ist.

Und dann kommt die Perimenopause dazu

Wenn die Hormone schwanken, fällt ein Teil des natürlichen Puffers weg, der das Nervensystem geschützt hat. Der Schlaf wird leichter, der Körper bewertet Reize schneller als Stress. Was vorher im Hintergrund lief, bekommt plötzlich Gewicht.

Bei mir kam noch etwas dazu, das ich erst durch meine Genanalyse verstanden habe: Mein Körper baut Stressbotenstoffe langsamer ab. Reize verhallen nicht, sie stapeln sich. Und ein System, das ständig im Alarm ist, verbraucht Ressourcen: Schlaf, Mineralstoffe, B-Vitamine. Irgendwann ist kein Puffer mehr da.

Du bist nicht zu empfindlich

Lange habe ich gedacht, ich müsste einfach belastbarer werden. Mich nicht so anstellen. Bis ich verstanden habe: Mein Nervensystem brauchte keine Disziplin, sondern andere Bedingungen.

Also habe ich aufgehört zu pushen: weniger Koffein, weniger „schnell noch“, weniger hochdosierte Mittel nach dem Motto „viel hilft viel“. Stattdessen langsam, gezielt und so, dass mein Nervensystem mitkommt.

Irgendwann habe ich gemerkt: Die Kinder waren noch genauso laut. Der Kater hat sich immer noch geputzt. Aber die Geräusche sind nicht mehr durch mich hindurchgefahren. Meine Filter waren wieder da.

Du brauchst keine Hütte im Wald. Du brauchst ein System, das auch im Alltag stabil bleibt. Und das kann man Schritt für Schritt aufbauen.

Dieser Artikel beschreibt meine eigenen Erfahrungen und allgemeines Wissen. Er ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung.

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